Aktuelles April 2020

Seit Herbst 2016 herrscht ein brutaler und grausamer Bürgerkrieg in Kamerun. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen der kamerunischen Regierung (unterstützt durch das Militär) und der anglophonen Bevölkerung im Nordwesten und Südwesten des Landes. Die Gründe sind vielfältig und liegen in der Geschichte des Landes. In den letzten Jahren wurde der anglophone Teil des Landes zunehmend benachteiligt.

Der Partnerbezirk Menchum ist von der Situation massiv betroffen.

Nach offiziellen Angaben der UNO sind über 5 Millionen Menschen auf der Flucht. Nachdem Häuser und Dörfer zerstört und niedergebrannt wurden, leben Menschen in den Wäldern und im Grasland. Die zentralen Städte (Bamenda, Buea und Wum) sind völlig überlaufen und bewältigen die große Anzahl an flüchtenden Menschen kaum noch. Viele flüchten nach Nigeria.

 

 

Der Partnerschaftsausschuss hat im April 2020 aktuelle Zahlen zusammengestellt. Es sind absolute Zahlen ohne Vergleiche und nennen die Zahlen der PCC Menchum:

  • 450 Häuser in der Presbytery sind zerstört oder abgebrannt
  • 352 Familien haben ihr Zuhause verloren
  • 230 haben die Eltern verloren und sind verwaist / 185  durch die Krise verwitwete Frauen leben in der Presbytery
  • Ungefähr 500 geflüchtete Person aus anderen Kirchenbezirken leben in Menchum
  • 2500 Mitglieder der PCC haben Menchum verlassen

Ausführliche Informationen: brennpunktkamerun.org

Die Kirche unserer Partnerschaft (PCC Menchum) ist in der Bevölkerung gut verankert und kümmert sich um die Unterstützung der notleidenden Menschen. Mit einer großzügigen Beteiligung am Nothilfe-Fond von Mission 21 wurde im Frühjahr 2020 überlebenswichtige Hilfe in Form von Nahrungsmittel und „Non-Food-Items“ (Matratzen, Decken, Hygieneartikel, Eimer u.a.) geleistet. Spenden aus dem Kirchenbezirk Göppingen wurden im Verteilschlüssel 60/40% in Mechum und in anderen Presbyterien (den Kirchenbezirken, die keine Direktpartnerschaft haben) verteilt. Dieser anteiligen Verteilung haben alle Partner zugestimmt.

 

Die Partnerschaft des Kirchenbezirkes Göppingen unterstützt v.a. Projekte im Bereich Bildung und Ausbildung. Hier besonders das Canaan-Children-Project.

Als Folge der Krise wurden Schulen geschlossen. Kinder und Jugendliche haben seit über drei Jahren keine Möglichkeit die Schule zu besuchen. Wer es sich leisten kann, schickt die Schüler*innen in den francophonen Teil des Landes. Zurück bleiben die Kinder, deren Familien diese Möglichkeit nicht haben. Die Schulen der PCC wagten mit dem Schuljahr 2019/20 die Wiedereröffnung von Primary Schools.   Dekan Moses Shu und der Partnerschaftsverantwortliche Ngwa Che Abel schreiben: Dieses Projekt geht weiter. Die letzte Verteilung von Unterrichtsmaterial und Stipendien war im Jahr 2017 … dann waren die Schulen wegen der Folgen des Krieges geschlossen.  Jetzt aber seit Ende 2019 öffnen die Schulen allmählich wieder. 5 von unseren 8 Schulen (der PCC in Kirchenbezirk Menchum) haben inmitten der Bedrohung und Unsicherheit wieder begonnen.

Wir freuen uns darüber und werden die Unterstützung der Schüler*innen mit dem  laufenden Schuljahr wieder aufnehmen.  Wir weiten das Projekt aus und unterstützen es jetzt als „poor and needy fond“.

  • Dr. Edward Cheng ist in Amerika. Er hat dort politisches Asyl beantragt. Wir sind ihm zu größtem Dank verpflichtet und wünschen ihm alles Gute und Gottes Segen
  • Abel Ngwa che ist der neue Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses in Menchum
  • Viele Familien bauen in ihren Gärten Artemisia Pflanzen (gegen Malaria) an. Die Schulungen waren hilfreich. Das Interesse an medizinischen Pflanzen ist groß (Frauenarbeit). Es gibt Überlegungen, ob auf dem Church compound Flächen angeboten werden können.
  • Der Partnerschaftsausschuss in Göppingen ist nach der Kirchenwahl bestätigt worden. Annemone Hilsenbeck (Vorsitz, Bad Boll); Werner Banzhaf (Heiningen), Brigitte Kurzytza (Börtlingen und Posaunenarbeit), Roland Lehr (Göppingen), Nadine Müller (Faurndau und EJW GP), Thomas Krummrein (Gammelshausen), Helmut Klatt (Zell u.A.)
  • Annemone Hilsenbeck, Thomas Krummrein und Helmut Klatt waren vom 10.- 16. März 2020 in Kamerun.  Ein Treffen in Douala und Buea war möglich, die Reise nach Menchum leider nicht.

  • Die Corona-Pandemie ist auch in Kamerun angekommen.

 

Annemone Hilsenbeck

Partnerschaft mit Menchum-Boyo

Bei der letzten Delegationsreise nach Kamerun

 

Kirchliche Partnerschaft zwischen
dem evangelischen Kirchenbezirk Göppingen und
dem Bezirk Menchum der PCC in Kamerun

Entstehung

Ende der 70er Jahre entwickelten die beiden Pfarrer Gerhard Vöhringer (Göppingen), der eine Zeitlang in Kamerun gearbeitet hatte, und Elias Cheng (Wum) die Idee einer kirchlichen Direktpartnerschaft zwischen den beiden Kirchenbezirken. Mit der ersten Reise einer deutschen Delegation Anfang 1980 begann die praktische Ausgestaltung. Beim Besuch Dez.2005/Jan.2006 wurde mit großem Aufwand das 25jährige Bestehen gefeiert. Bis zu einer Gebietsreform 2012 gab es in Kamerun zwei Teilbezirke: Menchum (Hauptort: Wum) und Boyo (Hauptort: Fundong). Seitdem beschränkt sich die Partnerschaft auf Menchum, Dekanat der Presbyterian Church in Cameroon (PCC) in der englisch-sprachigen Nordwest-Provinz Kameruns.

 

Lebendige Verwirklichung

Hauptbestandteil der Partnerschaft sind die regelmäßigen, gegenseitigen Besuche von Delegationen (5 – 7 Personen). Im Abstand von fünf Jahren fährt eine Göppinger Gruppe nach Weihnachten für drei Wochen nach Kamerun (Trockenzeit), zweieinhalb Jahre später kommt eine Gruppe aus Menchum in der Pfingstzeit auch für drei Wochen nach Göppingen (Rhythmus also auch fünf Jahre).

 

 Träger der Arbeit ist in beiden Bezirken je ein Partnerschafts-Ausschuss, der gegenüber den jeweiligen Synoden verantwortlich ist. Die Mitglieder der Delegationen werden vorher gründlich ausgesucht; sie sollten im kirchlichen Leben aktiv sein, verschiedenen Geschlechtern und möglichst auch Altersgruppen angehören. Die Gäste werden privat bei Gastfamilien aufgenommen, in der Regel wechselt der Gastgeber in der Mitte der Besuchszeit. Ein umfangreiches Programm füllt die Tage aus: Besuche bei verschiedenen Gemeinden mit Gottesdiensten, Empfänge bei kirchlichen und kommunalen Repräsentanten, Besichtigungen von besonderen Einrichtungen, Zusammensein mit kirchlichen Gruppen, Beratungen mit Kommissionen, Freizeit mit den Gastfamilien uvm. Wichtig sind jeweils auch ein paar Tage des Rückzugs in engerem Kreis mit geistlicher Besinnung. Den Kameruner Freunden liegt auch an einer Begegnung mit der Basler Mission, Ausgangspunkt ihrer christlichen Prägung.

 

 Ein besonderer Aspekt sind die Projekte, die durch Spenden von Göppinger Christen in Kamerun mitfinanziert werden (mit den Spenden werden auch die Delegations- reisen bezahlt). Lange Zeit waren es v.a. Gebäude (Kirchen, Frauen- und Jugendzentrum, kirchliche Schulen etc.), die gesponsort wurden. Auch Gesundheits- zentren werden gefördert. Mehrere Jahre stand der Aufbau einer Ölpalm-Plantage im Mittelpunkt, die inzwischen Arbeitsplätze und eigene Verkaufserlöse ermöglicht. Inzwischen wird (auch durch einen eigenen Förderkreis in Göppingen) etlichen Schülerinnen und Schülern ,die aufgrund von AIDS Halb- oder Vollwaise sind, im Rahmen des „Canaan-Children-Project“ der Schulbesuch finanziert   (www.canaan-children-project.com).

 In den Ostergottesdiensten ist im Kirchenbezirk Göppingen die Kollekte für die Kamerun-Partnerschaft bestimmt. Gleichzeitig werden in diesen Gottesdiensten Fürbitten der jeweils anderen Seite, die vorher ausgetauscht werden, in die Gebete mit aufgenommen.

 

Zielsetzungen

1)    An erster Stelle stehen der geistliche Austausch, die Begegnung in Gemeinschaft, das Feiern der Verbundenheit in der einen, weltumspannenden Kirche, der gemeinsame Glaube mit allen Verschiedenheiten der jeweiligen Ausprägung. Die Gottesdienste mit lebendigen Elementen, das Gespräch in Gruppen, das gegenseitige Lernen und Informieren, das Kennenlernen der unterschiedlichen Strukturen, die Diskussion über theologische, ethische und praktische Fragen – all das bringt Christen einander näher, stärkt sie gegenseitig in sich selbst und in der Partnerschaft. Es ist ein Gefühl der Gemeinschaft und der gegenseitigen Verantwortung entstanden, das weiter wächst.

2)     Daneben steht der kulturelle Aspekt, das Kennenlernen einer ganz  anderen Kultur, einer zunächst völlig fremdartigen Lebensweise, die langsam vertraut wird und nach den Besuchen auch den Mitchristen zuhause vermittelt werden soll. Dazu gehört auch das Leben in den Gemeinden, in den Familien, in den sozialen Einrichtungen. Es finden immer auch intensive Gespräche über die in Kamerun laufenden Projekte statt, über deren Verlauf die Gäste aus Göppingen sich vor Ort ein gründliches Bild verschaffen.

3)    Schließlich ermöglicht die Partnerschaft einzelnen Christinnen und Christen ein nachhaltiges, ihr persönliches Leben und ihr kirchliches Engagement prägendes Erlebnis. Es kommt (nicht nur in den Familien) zu ganz intensiven Begegnungen und oft dauerhaften Freundschaften. Dass der Kreis der Personen, die als Delegations-Mitglied den jeweils anderen Bezirk besucht haben, immer größer wird und sich gleichmäßig auf den eigenen Bezirk verteilt, ist wünschenswert.


Mitglieder des Partnerschaftsausschuss: Werner Banzhaf (Heiningen)  ,  Annemone Hilsenbeck (Bad Boll) – Vorsitzende,  Helmut Klatt (Zell u.A.), Thomas Krummrein (Gammelshausen), Brigitte Kurzytza (Börtlingen) - Posaunenarbeit, Roland Lehr (Göppingen), Nadine Müller (Faurndau) - EJW Göppingen

 

(Text: Helmut Klatt, Zell u.A.)

 

Ihre Kontaktdaten sind:

 

Annemone Hilsenbeck
Kornbergweg 18, 73087 Bad Boll
E-Mail:  an.hilsenbeckdontospamme@gowaway.gmx.de 

Materialien zur Partnerschaft finden Sie hier!

Der Link zum Aidswaisenprojekt ist hier zu finden.